Das war die AERO 2015



Wir haben unsere Reise zur AERO 2015 in Friedrichshafen ohne große Erwartungen angetreten. Was wir jedoch in den 2 Tagen unseres Besuchs an Eindrücken mitgenommen haben, hat all unsere Vorstellungen gesprengt.

Anreise und Lokation

Ohne Hotelreservierung ging es in die schöne Bodenseemetropole Friedrichshafen. Nach Erfahrungen aus dem Jahr 2012 erwarteten wir geringe Besucherzahlen, und dadurch freie Hotelkapazitäten. Doch wir sollten uns gewaltig irren: Friedrichshafen völlig ausgebucht, umliegende Städte (20-30km) ausgebucht, Bregenz (35km) ausgebucht, Memmingen (60km) ausgebucht. Der nächste Ort mit freien Hotelkapazitäten war Kempten im Allgäu (85km).
Nach kurzer Nacht im Hotel ging es zum Messegelände direkt am Flughafen EDNY. Die Hallen in Form klassischer Hangars können optisch gar nicht besser zum Thema Luftfahrt passen. Das perfekte Verkehrskonzept rund um das Gelände lässt den Anstum auf die AERO 2015 kaum spüren.

Überblick

AERO_20150416_1282

Mit einer um 18€ erstandenen Tageskarte, betraten wir die Messe über die Halle A7. Was sofort auffiel: die hohe Besucherdichte. Was uns später auffiel: die hohe Quantität und Qualität der Aussteller.
Neben Kuriositäten wie einem Gyrocopter im Design der Pionierzeit des Fliegens, war die klassische GA wieder gut vertreten. Interessante Neuheiten waren UL Helikopter, der Vormarsch der Elektroantriebe, und die Neuaflagen bekannter Modelle mit neuen Diesel/Jet-Fuel Motoren. Fast die Hälfte der ausgestellten Exponate gehörten der UL und der LSA Klasse an.
Die etablierten Anbieter von Flugplanungssoftware wie Rocket-Route, Jeppesen und SkyDemon waren ebenso vertreten, wie die Anbieter hochwertiger Home-Simmulator Add-Ons. Die deutsche Luftwaffe zeigte sich mit einem Großhubschrauber und einer Panavia 200 Tornado. Im Freibereich gab es neben den Business Jets, und den Gebrauchtflugzeugen auch einen Prototyp der C172 JT-A zu bestaunen.
Großer Andrang herrsche auch bei den Ständen der Pilot Shops, die Ihre Ware zu Messepreisen in rauen Mengen unter das Volk brachten.
Organisationen wie die Deutsche Flugsicherung, diverse Landesorganisationen der AOPA und die Stiftung Mayday rundeten das Programm ab.

Es gab viele interessante Gespräche mit den Ausstellern, hier haben wir die Highlights zusammengefasst:

Rocket Route

In unserem Gespräch mit niemand Geringerem als Uwe Nitsche dem CEO und Mitgründer von Rocket Route wurden wir über die Neuheiten in der Flugplanungssoftware informiert. Mit dem neuen Großkunden ÖAMTC wurde ein neuer schnellerer Weg entwickelt Flugpläne zu erstellen, und Realtime Flight Tracking umgesetzt.
Was wir nicht wussten: Die Erstellung von Flugplänen ist für uns als Vereinskunde noch einfacher als wir dachten. Wer es eilig hat, ruft einfach +43 720 883 147 und bekommt nach Bekanntgabe des Accounts und einiger Sicherheitsfragen einen VFR oder IFR Flugplan erstellt. Die Experten von Rocket Route kümmern sich auch um Support und Dispatch. Übrigens, sollte jemand Fehler im System oder in den Karten feststellen, bitte eine kurze Mail an ops@rocketroute.com senden.

TECH-SIM

AERO_20150416_1291

Ein beeindruckendes Stück polnischer Ingenieurskunst zeigte TECH-SIM mit einem Full Motion Simulator zu vergleichsweise kleinen Preisen (so um die 200.000€). Die Neigung der Kabine erfolgt direkt mit Elektromotoren, dadurch entstehen im Vergleich zu Systemen mit Hydraulik geringere Wartungskosten und längere Wartungsintervalle. Es können verschiedene Panels gängiger Flugzeugtypen der GA eingebaut, und auch in wenigen Minuten umgerüstet werden. Ein DA42 Panel ist soeben in Entwicklung. Dabei werden großteils selbst hergestellte Nachbauten der Fluginstrumente eingesetzt. Das nachgebaute G1000 fühlt sich fast besser an als das Original.
Die Simulatoren von TECH-SIM sind für das Flugtraining zertifiziert. Es gibt auch eine Non Motion Variante als reinen Verfahrenstrainer, da soll der Grundpreis bei etwa 80.000€ liegen.
Übrigens, die adrett uniformierten Mädels am Stand waren nicht etwa nur optischer Aufputz, sondern auch kompetente Berater, die interessierte Piloten bei einem Probeflug von der Qualität des Produktes überzeugen konnten.

Aquila

AERO_20150416_1318
AERO_20150416_1319
AERO_20150416_1323

Der Aquila Stand war fest in Vöslauer Hand. Günter Watschinger war mit einer seiner Aquilas aus Serienfertigung vertreten. Die zweite Maschine war ein A211 Prototyp mit dem ROTAX 912IS. Der neue Motor mit elektronischer Direkteinspritzung verspricht geringere Verbrauchswerte und verbessertes Handling.

Diamond

AERO_20150416_1342
AERO_20150416_1345
AERO_20150416_1353

Ein großes Stelldichein gab es am Stand von Diamond. Die EASA überreichte dem Hersteller das Type Certificate für die DA62, den ursprünglich als 7 Sitzer geplanten 5 Sitzer.
Interessant war für uns die Frage, wie es mit der DA20 weitergeht. Nach aktuellen Plänen ist eine Neuauflage mit dem ROTAX 912IS vorgesehen. Das Cockpit wurde nach heutigen Standards aktualisiert (G500, GTN650, elektronisches Engine Monitoring, …). Weitaus spannender erschien uns eine geplante Variante mit Selbstzünder Motor. Am Stand war das Modell eines AE200 an einem DA20 Mockup zu sehen. In den großen Weiten des Internets ist jedoch mehr über Details geheimer Operationen der US Geheimdienste zu lesen, als über diesen Motor. Daher gibt es auch noch keine Schätzungen, wann die erste Jet A/A1 DA20 auf den Markt kommen wird. Am Messestand wurden bereits folgende Daten bekanntgegeben:

  • Motorbauart: Wassergekühlter Reihen 3Zylinder Motor mit DOHC und 4 Ventile pro Zylinder. Direkteinspritzung über Common Rail Technik. Der Motor besitzt einen Turbolader in Kombination mit einem Intercooler.
  • Max. take off power (max. 5min): 85kw
  • Max. Drehzahl: 3300rpm
  • Max. Altitude: 18.000ft
  • Masse: 85-90kg
  • Treibstoff: Jet A, Jet A1
  • SFC: 200g/kwh

Fest steht jedenfalls, dass Diamond diese Diesel-Variante als Konkurrenz zur Aquila A211 aufbauen möchte.

WACO Aircraft

AERO_20150416_1357
AERO_20150416_1361

Einfach nur schön. WACO Aircraft ist der weltweit einzige Hersteller neuer FAA und EASA zertifizierter Doppeldecker mit offenem Cockpit. Die YMF-5D besitzt ein Glascockpit und ist für IFR Flüge zugelassen.

Cessna / Textron

AERO_20150416_1368
AERO_20150416_1372
AERO_20150416_1374

Am Textron Aviation Stand in der Halle A3 waren die Zugpferde Cessna TTX und der Helikopter Bell Jet Ranger X ausgestellt. Schöne Ausstellung, aber leider war kein freier Ansprechpartner zu finden.

Dafür gab es im Außenbereich ganz unscheinbar folgendes zu sehen:

AERO_20150416_1398
AERO_20150416_1400
AERO_20150416_1401

Noch im Experimentalstadium ist die C172 JT-A. Wir wünschen Cessna viel Erfolg mit den kommenden Zertifizierungsläufen. Möge diese Skyhawk wieder ein Topseller werden.

Rui Xiang RX1E

AERO_20150416_1376
AERO_20150416_1377
AERO_20150416_1378

Der chinesische Hersteller Rui Xiang setzt auf Elektroantrieb. Der kleine 2 Sitzer schafft immerhin eine Reisegeschwindigkeit von 86kn und kann so 40-60min in der Luft bleiben. Angesichts der zu erwartenden geringen Betriebskosten dürfte das Flugzeug eine Nische als Trainer haben.

Motordrachen, ein echtes Open Air Erlebnis

AERO_20150417_1243
AERO_20150417_1248
AERO_20150417_1252

Was auf der Straße das Moped darstellt, ist in der Luft der Motordrachen. Was vor einigen Jahren noch höchst Amateurhaft und extrem gefährlich schien, hat sich heute durch den Einsatz von erprobter Technik aus der General Aviation zu einem ernst zu nehmenden Luftsportgerät entwickelt. Am Stand des deutschen Herstellers Sun Air war das Magic Trike, ein ultra-mobiles Gerät ausgestellt, das mit wenigen Handgriffen zerlegt und in einen Kleinwagen gepackt werden kann. Alle Komponenten wirken hochwertig und stabil. Das Fahrwerk soll in dieser Klasse einen einzigartigen Komfort bieten. Das Trike soll flugfertig etwa 13.000€ kosten.
Einen Vertreter der Luxusklasse unter den Motordrachen fanden wir mit Air Creation, einem französischen Hersteller. Die Motorisierung dieser Fluggeräte kann sich mit der aus der Echo-Klasse durchaus messen. So kommen hier z.B. ROTAX 912er mit 100PS zum Einsatz. Die Trikes besitzen sehr komfortable Sitze, und vergleichsweise viel Stauraum für Gepäck. Die massive Bauweise lässt ein hohes subjektives Sicherheitsgefühl aufkommen. Für das Topmodell muss man mit einem Listen Preis von 40.000 bis 50.000€ rechnen.
Beide Hersteller sind dazu bereit, für einen Demo-Flug nach Vöslau zu kommen.

AOPA-Austria

AERO_20150416_1432

Am Stand der IAOPA war die AOPA Austria kräftig vertreten. Präsident Dr. Walter Ebm, Vizepräsident Dr. Andreas Staribacher und Friedrich Buza sorgten für die Betreuung des Standes. Die AOPA Österreich ist eine der einflussreichsten Organisationen im Bereich der GA. Sie wirkt auf die Gesetzgebung ein, und sucht in direkten Gesprächen nach Lösungen für eine faire Behandlung der GA bei allen relevanten Organisationen. Mit der AOPA Air Crew Card haben Besatzungen Zugang zu vielen Rabatten. In vielen Ländern dient die Card sogar als Visum Ersatz für 48h.
Wir haben mit dem AOPA Österreich Vorstand darüber gesprochen enger zusammenzuarbeiten. Das Ziel ist, gemeinsame Projekte zu finden und auf den Weg zu bringen. Besonderes Interesse hat die AOPA an gemeinsamen Fly Outs gezeigt. Dabei geht es im Speziellen um Destinationen, die für die durchschnittlichen Vereinspiloten eher exotisch anmuten, oder aufgrund erwarteter Unwägbarkeiten gemieden werden.

Fazit

Die Aero hat in den letzten Jahren wieder stark an Attraktivität gewonnen. Organisation, Aussteller und die Lokation waren Top. Sogar das Wetter hat diesmal größtenteils mitgespielt. Wir haben tolle Eindrücke gewonnen, und sehr gute Gespräche mit vielen Ausstellern führen dürfen.
Wir wünschen dem Team der Messe Friedrichshafen für nächstes Jahr mindestens ebenso gutes Gelingen wie 2015, und hoffen, dass sich der Flugsport dadurch wieder größeres Interesse verschafft.

Hinterlasse einen Kommentar