Apply full power after touchdown
In Begleitung des deutschen Alpenexperten und Fluglehrers Ekkehard „Akki“ Kapfer (er besitzt auch die nötigen Berechtigungen, um auf den Altiports zu landen) machte ich mich vom diesjährigen AOPA Trainingscamp in Eggenfelden am 5. August auf den Weg. Nach wetterbedingten Fehlversuchen in den vergangenen Jahren passte heuer alles perfekt und ich konnte mir einen lange gehegten Traum erfüllen, nämlich mit der OE-DLP die Altiports Megeve und Courchevel in den französischen Alpen zu besuchen. Das Wetter entlang der Strecke war traumhaft, überall CAVOK und weit und breit keine Wolke in Sicht. Traumhafte Berge die ganze Zeit, am beeindruckendsten wohl das mächtige Massiv des Mont Blanc (Foto unten, oben rechts die Eiger-Nordwand).
Nach etwa 2:40h Flugzeit kam Megeve in Sicht, 4820ft. (1470m) Seehöhe auf der oberen Plattform, mit 7-9% Steigung und 400m Länge der Runway die erste Herausforderung. Gelandet wird immer bergauf und gestartet immer bergab. Bevor man in die Platzrunde eindreht, fliegt man genau in der Höhe der Spitze neben einem benachbarten Sendemasten und stellt dabei den Höhenmesser auf die Referenzhöhe von 7600ft. Es gibt nämlich niemanden, der einem das lokale QNH durchgibt. Wie die meisten der kleineren (und auch größeren) französischen Flugplätze ist auch Megeve (genauso wie Courchevel und Annemasse) unkontrolliert. Man vergewissert sich auf einer allgemeinen Frequenz über die Absicht der in An- und Abflug befindlichen Maschinen und gibt seine eigenen Absichten wie etwa Eindrehen in Queranflug und Final bzw. Aufstellen zum Start so durch.
Von Megeve fliegt man dann noch etwa eine halbe Stunde nach Courchevel, dem wohl bekanntesten und berühmtesten der Altiports (siehe Foto ganz oben links). Mit 530 Metern Länge auf den ersten Blick eigentlich kein besonderes Problem für die OE-DLP. Allerdings weist die Runway nach den ersten 50m eine Steigung von 18% (!) auf, bevor man die ebene obere Plattform erreicht. Die untere Plattform liegt auf ca. 6370ft. (1940m) Seehöhe, die obere auf 6580ft. (2010m). Man hat also auf 530m eine Höhendifferenz von fast 70m zu überwinden. Die Landung erweist sich als dementsprechend schwierig. Um das Bugfahrwerk nicht zu gefährden, sollte man im ersten flachen Teil der Piste aufsetzen, was mir gut gelungen ist. Dann muss man sich aber beeilen, wieder Gas zu geben, um die Steigung zur oberen Plattform zu schaffen. Es war dann fast Vollgas notwendig, weil ich zuerst etwas zu zögerlich beim Gas geben war. Auch ist das Geradeausrollen nicht ganz einfach, weil die eigentlich mit 40m recht breite Runway von der Centerline aus nach jeder Seite mit 2% abfällt.
Das Gefühl, das sich dann nach dem Aussteigen eingestellt hat, war aber unbeschreiblich. Endlich am Ziel meiner fliegerischen Träume. Dazu noch ein faszinierendes Panorama, mit dem Mont Blanc im Hintergrund. Die netten französischen Kollegen des örtlichen Aeroclubs holen einen dann aber recht schnell wieder auf den Boden mit einem Fotoalbum, das die Missgeschicke bei Landungen der letzten Jahre dokumentiert.
Etwas beklemmend ist der Anblick aus dem Cockpit beim Starten, da man nur die ersten 100m der oberen Plattform aussieht und der Rest der Piste nicht einsehbar ist. Dadurch beschleicht einen das Gefühl, vor einem Abgrund zu stehen. Wenn man über die Kante rollt, muss man auch stark nachdrücken, damit das Bugrad nicht den Kontakt zur Runway verliert. Aber danach geht alles ganz schnell und nach etwa der halben Piste war unsere OE-DLP auch schon in der Luft. Nach einem kurzen Zwischenstop in Annemasse beim Genfer See zum Tanken ging es dann durch die Nordschweiz vorbei an Mönch, Jungfrau und Eiger-Nordwand zurück nach Eggenfelden.
Die Gesamtflugzeit für die Tour betrug 6:52h. Wir legten ungefähr 780NM zurück und verbrauchten dabei etwa 250l AVGAS. Für diesen Trip war unsere Rocket wohl das ideale Flugzeug. Sie lief mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks und ließ uns kein einziges Mal im Stich. Dank ihrer Performance waren alle Manöver auf den doch sehr hochgelegenen Plätzen völlig unproblematisch, wir hatten immerhin etwa ISA+20°. Da wir aber nur zu zweit unterwegs waren und die Manöver mit 40-50% vollen Tanks durchführten, spürte man praktisch nichts von einem Performanceabfall. Die Maschine unterbot die errechneten Werte für Rollstrecke etc. um Längen. Ich hätte diesen Flug mit keiner anderen Maschine durchführen wollen und hoffe, dass sie uns noch möglichst lange erhalten bleibt.